Praxisbeispiel: Ein Lagermitarbeiter soll prüfen, ob ein gebrauchter 25-Liter-Kunststoffkanister noch für den Versand von Lösemittel der Verpackungsgruppe II geeignet ist. Auf dem Kanisterboden steht eine kryptische Zeichenfolge: „UN 1H1/Y1.4/150/24/D/BAM 1234“. Wer diesen Code lesen kann, weiß sofort, ob die Verpackung geeignet ist – ohne diese Kenntnis bleibt nur Rätselraten.
Warum gibt es den UN-Zulassungscode?
Jede Gefahrgutverpackung (Fass, Kanister, IBC, Kiste) muss nach Kapitel 6.1 ADR bauartgeprüft und zugelassen sein. Der aufgedruckte Code dokumentiert diese Zulassung und macht auf einen Blick erkennbar, für welche Stoffe und Verpackungsgruppen die Verpackung geeignet ist.
Aufbau des Codes am Beispiel
UN 1H1/Y1.4/150/24/D/BAM 1234
| Codeteil | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| UN | Kennzeichnung als UN-geprüfte Verpackung | UN |
| 1H1 | Verpackungsart (1 = Fass, H = Kunststoff, 1 = mit festem Verschluss) | 1H1 = Spundfass aus Kunststoff |
| Y | Verpackungsgruppe, für die die Bauart zugelassen ist (X = I, II, III / Y = II, III / Z = nur III) | Y = geeignet für Verpackungsgruppe II und III |
| 1.4 | relative Dichte bzw. Bruttomasse in kg (bei Feststoffen), für die die Bauart geprüft ist | bis 1,4 kg/l relative Dichte des Füllguts |
| 150 | Prüfdruck in kPa (bei Flüssigkeiten) oder „S“ bei Feststoffen | 150 kPa |
| 24 | Herstellungsjahr (letzte zwei Ziffern) | 2024 |
| D | Kennbuchstabe des Zulassungsstaats | D = Deutschland |
| BAM 1234 | Kennzeichen der zulassenden Behörde und Zulassungsnummer | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung |
Verpackungsartencodes im Überblick
| Ziffer | Verpackungsart |
|---|---|
| 1 | Fass |
| 3 | Kanister |
| 4 | Kiste |
| 5 | Sack |
| 6 | Kombinationsverpackung |
| Buchstabe | Werkstoff |
|---|---|
| A | Stahl |
| B | Aluminium |
| G | Pappe/Karton |
| H | Kunststoff |
| N | Metall (außer Stahl/Aluminium) |
| P | Glas, Porzellan, Steinzeug |
Praxisbeispiel: Eignungsprüfung anhand des Codes
Für den Versand von Lösemittel der Verpackungsgruppe II mit einer relativen Dichte von 0,9 kg/l wird ein Kanister mit dem Code „UN 3H1/Y1.2/150/24/D/BAM 1234“ benötigt. Da „Y“ auch Verpackungsgruppe II abdeckt und die zugelassene Dichte (1,2 kg/l) über der tatsächlichen Dichte des Füllguts (0,9 kg/l) liegt, ist die Verpackung geeignet.
Häufige Fehler in der Praxis
- Verpackungsgruppen-Buchstabe missachtet: Eine mit „Z“ gekennzeichnete Verpackung (nur VG III) wird fälschlich für VG II verwendet.
- Relative Dichte des Füllguts nicht geprüft: Eine Verpackung ist nur bis zur angegebenen Dichte zugelassen – bei schwereren Flüssigkeiten reicht die Zulassung nicht.
- Verwechslung von Prüfdruck und Herstellungsjahr: Beide Zahlen können ähnlich aussehen, haben aber völlig unterschiedliche Bedeutung.
- Unleserlicher oder fehlender Code bei Wiederverwendung: Ohne lesbaren Code ist die Eignung nicht mehr nachweisbar.
Checkliste: UN-Code prüfen
- ☐ Verpackungsart und Werkstoff passend zum Füllgut?
- ☐ Verpackungsgruppen-Buchstabe (X/Y/Z) für den vorgesehenen Stoff ausreichend?
- ☐ Relative Dichte des Füllguts innerhalb der zugelassenen Grenze?
- ☐ Prüfdruck (bei Flüssigkeiten) ausreichend für den Stoff (ggf. Dampfdruck beachten)?
- ☐ Code vollständig lesbar und unbeschädigt?
Fazit
Der UN-Zulassungscode enthält auf kompaktem Raum alle wesentlichen Informationen zur Eignung einer Gefahrgutverpackung. Wer die Codeteile sicher lesen kann, vermeidet Fehlverpackungen und kann die Eignung einer Verpackung ohne aufwendige Nachfragen selbst beurteilen.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fassung des ADR sowie die stoffspezifischen Verpackungsanweisungen.