Noch weniger bekannt als das LQ-System ist das EQ-System: freigestellte Mengen (Excepted Quantities) nach ADR Kapitel 3.5. Wenn ein Gefahrgut in extrem kleinen Mengen transportiert wird – oft im Bereich von wenigen Millilitern oder Gramm – entfällt fast die gesamte ADR-Pflicht. Das EQ-System ist relevant für Laborbedarf, Diagnosesets, Forschungseinrichtungen und Spezialchemikalien.
Was ist das EQ-System?
Das EQ-System erlaubt die Beförderung sehr kleiner Mengen gefährlicher Güter mit minimalen Anforderungen. Die Befreiung geht noch weiter als beim LQ-System: Es wird weder ein Beförderungspapier noch ein Gefahrzettel auf der Außenverpackung benötigt – nur ein einfaches Kennzeichen.
Die E-Codes: Mengengrenzen je Innenbehälter
| E-Code | Max. Menge je Innenbehälter | Max. Menge je Außenverpackung |
|---|---|---|
| E0 | Nicht erlaubt | – |
| E1 | 1 ml (flüssig) / 1 g (fest) | 30 ml / 30 g |
| E2 | 10 ml / 10 g | 500 ml / 500 g |
| E3 | 1 ml / 1 g | 30 ml / 30 g |
| E4 | 1 ml / 1 g | 500 ml / 500 g |
| E5 | 1 ml / 1 g | 300 ml / 300 g |
Der E-Code eines Stoffs ist in Spalte 7b der Tabelle A (ADR Teil 3) eingetragen. E0 bedeutet: EQ nicht anwendbar für diesen Stoff.
Verpackungsanforderungen beim EQ-System
Beim EQ-System gelten besondere Verpackungsanforderungen:
- Innenbehälter: Dicht, geeignet für den Stoff (Glas, Kunststoff, Metall)
- Zwischenlage: Saugfähiges Material zwischen Innenbehälter und Außenverpackung
- Außenverpackung: Robust genug, um die Prüfanforderungen nach ADR 3.5.2 zu bestehen (Falltest aus 1,8 m)
- Keine UN-Zulassung der Außenverpackung erforderlich
Das EQ-Kennzeichen
Die Außenverpackung muss ein Kennzeichen tragen, das zeigt, dass der Inhalt freigestellte Mengen gefährlicher Güter enthält. Das Kennzeichen besteht aus einer Raute mit einem Stern (*) oder dem Buchstaben E. Zusätzlich müssen Name und Telefonnummer des Versenders angegeben sein.
Was bei EQ entfällt
- Beförderungspapier nach ADR 5.4.1
- Gefahrzettel auf der Außenverpackung
- UN-zugelassene Verpackung
- Orangetafeln am Fahrzeug
- Schriftliche Weisungen
- ADR-Bescheinigung des Fahrers
Was bei EQ gilt
- EQ-Kennzeichen auf der Außenverpackung
- Name und Telefonnummer des Versenders auf der Verpackung
- Verpackungsanforderungen nach 3.5.2
- ADR-1.3-Unterweisung des Fahrers (empfohlen, auch wenn nicht explizit für EQ vorgeschrieben)
EQ vs. LQ: Der Vergleich
| Kriterium | EQ (Kap. 3.5) | LQ (Kap. 3.4) |
|---|---|---|
| Mengengrenzen | Sehr klein (1–10 ml/g je Innenbehälter) | Größer (bis 5 L je Innenbehälter) |
| Beförderungspapier | Nicht erforderlich | Nicht erforderlich |
| Gefahrzettel | Nicht erforderlich | Nicht erforderlich (LQ-Kennzeichen stattdessen) |
| Kennzeichen | EQ-Kennzeichen (Raute + E/*) | LQ-Kennzeichen (Raute leer) |
| Verpackungsprüfung | Falltest 1,8 m (intern oder extern) | Keine Prüfpflicht |
| Typische Anwendung | Labor, Diagnose, Forschung | Verbraucherprodukte, Reiniger, Kosmetik |
Praxisbeispiele für EQ
- Diagnostiksets für Labore (z. B. Reagenzien mit giftigen Stoffen in Ampullen)
- Kalibrierstandards für Messgeräte (wenige ml giftige Referenzlösungen)
- Probensets für die Qualitätskontrolle (z. B. Petrolether in 1-ml-Ampullen)
- Speziallacke für Uhrenindustrie oder Elektronik in Mikromengen
Fazit
Das EQ-System ist die weitreichendste ADR-Erleichterung – aber auch die am wenigsten bekannte. Wer im Labor oder in der Spezialchemie kleine Probenmengen transportiert, sollte EQ kennen und prüfen, ob der jeweilige Stoff einen E-Code trägt. Die Mengengrenzen sind eng, die Entlastung von ADR-Pflichten dafür erheblich.
Rechtlicher Hinweis: Allgemeine Information. Maßgeblich ist ADR Kapitel 3.5 in der gültigen Fassung.