Leuchtstoffröhren (Neonröhren T8, T5), Kompaktleuchtstofflampen (Energiesparlampen) und andere quecksilberhaltige Leuchtmittel enthalten kleine Mengen Quecksilber – hochgiftig und umweltgefährdend. Beim gewerblichen Transport zur Entsorgung (ElektroG-Rücknahme) oder im Großhandels-Neuwarenversand gilt ADR Klasse 9. LED-Lampen dagegen sind kein Gefahrgut. Sondervorschrift 366 enthält spezifische Erleichterungen für quecksilberhaltige Geräte.
Schritt 1: Stoff identifizieren – welche Lampen sind Gefahrgut?
| Lampentyp | Quecksilber? | ADR-Status | UN-Nr. |
|---|---|---|---|
| T8-Leuchtstoffröhre (36 W, 58 W) | Ja, ca. 3–5 mg/Röhre | Gefahrgut | UN3077 |
| T5-Leuchtstoffröhre (energieeffizient) | Ja, ca. 1–3 mg/Röhre | Gefahrgut | UN3077 |
| Kompaktleuchtstofflampe / Energiesparlampe | Ja, ca. 1–5 mg/Lampe | Gefahrgut | UN3077 |
| Quecksilberdampflampe (HQL, HID, NAV) | Ja, mehr als Leuchtstoff | Gefahrgut | UN3077 |
| LED-Lampe (alle Typen) | Nein | Kein Gefahrgut | – |
| Halogenlampe | Nein | Kein Gefahrgut | – |
| Glühbirne (klassisch) | Nein | Kein Gefahrgut | – |
Schritt 2: Tabelle A – alle Kerndaten UN3077
| Parameter | Wert |
|---|---|
| UN-Nummer | UN3077 |
| Offizielle Benennung | UMWELTGEFÄHRDENDER STOFF, FEST, N.A.G. |
| Klasse | 9 |
| Klassifizierungscode | M7 |
| VG | III |
| Gefahrzettel | 9 (weiße Raute, schwarze Streifen) + Umweltgefährdungszeichen |
| Transportkategorie | 3 |
| Tunnelcode | (–) |
| Begrenzte Mengen (LQ) | 5 kg |
| Freigestellte Mengen (EQ) | E1 (1 g / 30 g) |
| Sondervorschriften | 274, 335, 366 |
| Verpackungsanweisung | P002 |
| Freigrenze nach 1.1.3.6 | 1.000 kg |
Schritt 3: Sondervorschrift 366 – Erleichterungen für quecksilberhaltige Geräte
Sondervorschrift 366 gilt für Lampen und andere Geräte, die Quecksilber enthalten. Sie erlaubt folgende Erleichterungen gegenüber dem allgemeinen P002-Verpackungsstandard:
- Lampen können in stabilen Außenverpackungen transportiert werden, die für die Aufnahme auch zerbrochener Lampen geeignet sind (Quecksilber-Rückhalt)
- Die Verpackung muss bei normalem Transport das Zerbrechen der Lampen verhindern oder – falls sie zerbrechen – das Quecksilber zurückhalten (absorbierende Einlage, PE-Folie innen)
- Kennzeichnung mit UN3077 bleibt erforderlich; die Verpackungsanforderungen nach P002 sind für Lampentransporte unter SV 366 modifiziert
Praktische Verpackungslösung: Spezielle Lampen-Sammelboxen aus Pappe oder Kunststoff mit innerer PE-Auskleidung und Trennstegen, die im Handel als „Entsorgungsboxen für Leuchtstoffröhren“ erhältlich sind, erfüllen die SV-366-Anforderungen, wenn sie die Lampen beim Transport schützen und Quecksilber bei Bruch zurückhalten.
Schritt 4: LQ – 5 kg je Innenverpackung
| Produkt | Gewicht Quecksilber | Gewicht Lampe gesamt | LQ (5-kg-Grenze auf Lampenmasse bezogen) |
|---|---|---|---|
| T8-Röhre 120 cm (36 W) | ca. 3–5 mg Hg | ca. 180 g | Ja ✓ – einzelne Röhre weit unter 5 kg |
| Karton 25 × T8-Röhren | ca. 75–125 mg Hg | ca. 4,5 kg | Ja ✓ – Gesamtkarton unter 5 kg |
| Karton 50 × T8-Röhren | ca. 150–250 mg Hg | ca. 9 kg | Nein ✗ – Karton > 5 kg |
| Kompaktleuchtstofflampe 15 W | ca. 2–5 mg Hg | ca. 80 g | Ja ✓ |
| Karton 50 × Energiesparlampen | ca. 100–250 mg Hg | ca. 4 kg | Ja ✓ |
Hinweis: Die LQ-Grenze von 5 kg bezieht sich auf die Gesamtmasse des Gefahrguts je Innenverpackung – nicht nur auf den Quecksilberanteil. Die Lampenmasse inklusive Glaskolben und Fassung ist maßgeblich. Ein Karton mit 25 T8-Röhren à 180 g = 4,5 kg liegt gerade noch unter 5 kg.
Schritt 5: Entsorgungslogistik – ElektroG und ADR kombiniert
Beim Rücktransport gebrauchter quecksilberhaltiger Leuchtmittel zur Entsorgung (z. B. Rücknahme durch Großhändler nach ElektroG § 17) gelten kumulative Pflichten:
| Rechtsgrundlage | Anforderung |
|---|---|
| ADR 2025 | UN3077-Kennzeichnung, SV 366, LQ oder volle Deklaration |
| ElektroG § 17 | Getrennte Sammlung, keine Vermischung mit Haushaltsabfall |
| Abfallverzeichnis-VO | Abfallschlüssel 20 01 21* (quecksilberhaltige Lampen – gefährlicher Abfall) |
| NachwV | Entsorgungsnachweis für gefährliche Abfälle; Begleitscheinpflicht |
Schritt 6: Häufige Fehler
- LED-Lampen irrtümlich als UN3077 deklariert – LED enthält kein Quecksilber, kein Gefahrgut
- Quecksilberhaltige Leuchtstoffröhren ohne Bruchschutzverpackung transportiert
- LQ-Grenze von 5 kg auf Quecksilberanteil statt auf Lampenmasse bezogen
- Entsorgungsboxen ohne Quecksilber-Rückhaltung verwendet – SV 366 nicht erfüllt
- Abfallschlüssel 20 01 21* und NachwV-Pflichten bei Entsorgungstransporten nicht beachtet
Entscheidungsbaum: Was gilt für meinen Transport?
Leuchtmittel transportieren?
│
├─ Enthält die Lampe Quecksilber?
│ ├─ Nein (LED, Halogen, Glühbirne) → Kein Gefahrgut ✓
│ └─ Ja (Leuchtstoff, Energiespar, HQL) → UN3077, Klasse 9, VG III
│
├─ Gewicht der Lampen je Innenverpackung?
│ ├─ ≤ 5 kg → LQ möglich:
│ │ • LQ-Raute auf Außenkarton, max. 30 kg ✓
│ │ • SV 366: Bruchschutz-Verpackung erforderlich
│ └─ > 5 kg → Volle ADR-Pflicht:
│ • Beförderungspapier: UN3077, 9, VG III
│ • Gefahrzettel 9 + Umweltgefährdungszeichen
│
└─ Entsorgungstransport (Altlampen)?
└─ Zusätzlich: Abfallschlüssel 20 01 21*,
NachwV / Begleitschein, ElektroG beachten
Muster-Beförderungspapier (volle ADR-Pflicht, Neuware)
UN3077 UMWELTGEFÄHRDENDER STOFF, FEST, N.A.G. (Leuchtstoffröhren mit Quecksilber), 9, VG III, 180 kg, 1.000 Röhren à 180 g in 40 Kartons à 25 Röhren Absender: [Name, Straße, PLZ, Ort] Empfänger: [Name, Straße, PLZ, Ort] Tunnelbeschränkungscode: (–)
Fazit
Quecksilberhaltige Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen sind UN3077, Klasse 9 VG III mit Sondervorschrift 366. LQ mit 5 kg je Innenverpackung ist für Kartons bis ca. 25 T8-Röhren anwendbar. Größere Kartons erfordern volle ADR-Deklaration. Bei Entsorgungstransporten kommen ElektroG und NachwV on top. LED-Lampen sind kein Gefahrgut – diese Abgrenzung ist in der Praxis die wichtigste Aussage des Artikels.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Fachberatung. Maßgeblich sind ADR 2025 und ElektroG in den jeweils gültigen Fassungen.