Praxisbeispiel: Ein wachsender Großhändler verwaltet sein Gefahrstoffsortiment noch in Excel-Listen. Bei über 300 verschiedenen Produkten wird die manuelle Pflege von Lagerklassen, Zusammenlagerungsverboten und Mengenschwellen zunehmend fehleranfällig. Eine spezialisierte Gefahrstoffmanagement-Software kann diese Komplexität deutlich reduzieren – vorausgesetzt, sie wird sinnvoll in die betrieblichen Abläufe integriert.

Typische Funktionen von Gefahrstoffmanagement-Software

Funktion Nutzen für die TRGS-510-Compliance
Sicherheitsdatenblatt-Verwaltung zentrale, versionierte Ablage mit automatischer Erinnerung bei Aktualisierung durch den Hersteller
Automatische Lagerklassen-Zuordnung Ableitung der Lagerklasse aus GHS-Einstufung, Reduzierung manueller Fehler
Zusammenlagerungsprüfung automatischer Abgleich geplanter Lagerplätze mit der Zusammenlagerungstabelle
Mengenschwellen-Überwachung Warnung bei drohender Überschreitung der Schwellenwerte je Lagerbereich
Prüffristen-Management Erinnerungsfunktion für wiederkehrende Prüfungen (Auffangwannen, Schränke, Anlagen)
Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung Vorlagen und automatische Aktualisierung bei Sortimentsänderung
Unterweisungsnachweise digitale Dokumentation der Mitarbeiterunterweisungen mit Erinnerungsfunktion

Vorteile gegenüber manueller Verwaltung

Grenzen der Software-Unterstützung

Eine Software kann die fachliche Bewertung im Einzelfall unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen: Die korrekte Ersteinstufung neuer Produkte, die Interpretation von Sonderfällen und die fachkundige Gefährdungsbeurteilung bleiben Aufgabe qualifizierter Personen (z. B. Gefahrstoffbeauftragter, Fachkraft für Arbeitssicherheit). Software-Ergebnisse sollten insbesondere bei neuen oder ungewöhnlichen Produkten stichprobenartig durch Fachpersonal geprüft werden.

Auswahlkriterien für geeignete Software

Kriterium Worauf zu achten ist
Aktualität der Rechtsgrundlage regelmäßige Updates bei Änderungen der TRGS 510 und angrenzender Vorschriften
Schnittstellen Anbindung an bestehende Warenwirtschafts- oder ERP-Systeme
Benutzerfreundlichkeit einfache Bedienung auch für Lagerpersonal ohne tiefes Gefahrstoffwissen
Mobiler Zugriff Möglichkeit zur Prüfung/Dokumentation direkt am Lagerort
Datenschutz und Datensicherheit insbesondere bei cloudbasierten Lösungen relevant

Praxisbeispiel: Einführung im Großhandel

Für den eingangs beschriebenen Großhändler ergibt sich ein sinnvoller Einführungsprozess:

Häufige Fehler in der Praxis

Checkliste: Einführung einer Gefahrstoffmanagement-Software

Fazit

Digitale Gefahrstoffmanagement-Software kann die TRGS-510-Compliance insbesondere bei wachsendem Sortiment erheblich erleichtern, ersetzt aber nicht die fachkundige Prüfung im Einzelfall. Der größte Nutzen entsteht, wenn die Software eng mit bestehenden Lager- und Warenwirtschaftsprozessen verzahnt und das Personal entsprechend geschult wird.


Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Empfehlung für bestimmte Softwareprodukte dar.