Wer einen Gefahrguttransport plant, muss die Tunnelroute prüfen. Das ADR legt für jeden gefährlichen Stoff einen Tunnelbeschränkungscode fest – von A (keine Einschränkung) bis E (nur Tunnel mit niedrigster Kategorie erlaubt). In Deutschland sind viele Autobahntunnel als Kategorie B oder C eingestuft. Dieser Artikel erklärt das System und zeigt, wie Fahrer und Disponenten Routen korrekt planen.
Das Tunnel-Kategoriensystem
Das ADR unterscheidet fünf Tunnel-Kategorien, die den Einschränkungsgrad beschreiben:
| Tunnelkategorie | Bedeutung |
|---|---|
| A | Keine Einschränkung – alle Gefahrgüter erlaubt |
| B | Gesperrt für Stoffe, die zu einer sehr großen Explosion führen können (z. B. bestimmte Klasse-1-Stoffe, Chlor, Wasserstoff) |
| C | Gesperrt für Stoffe der Kategorie B + Stoffe mit großer Explosions- oder Vergiftungsgefahr |
| D | Gesperrt für Kategorien B und C + Stoffe, die eine große Brand-, Vergiftungs- oder Erstickungsgefahr darstellen |
| E | Gesperrt für alle Gefahrgüter außer Gütern mit Tunnelcode A (nicht einschränkend) |
Der Tunnelbeschränkungscode des Stoffes
Jeder Stoff in Tabelle A (Spalte 15) hat einen Tunnelbeschränkungscode. Dieser gibt an, ab welcher Tunnelkategorie der Stoff gesperrt ist:
| Code des Stoffes | Gesperrt in Tunneln der Kategorie |
|---|---|
| A (oder kein Code) | Nirgends – alle Tunnel erlaubt |
| B | B, C, D, E |
| B/D | B und D (nicht C) |
| B/E | B und E (nicht C, D) |
| C | C, D, E |
| C/D | C und D (nicht E) |
| C/E | C und E (nicht D) |
| D | D und E |
| D/E | D und E |
| E | Nur E |
Tunnelcodes häufiger Stoffe
| Stoff | UN-Nr. | Tunnelcode | Konsequenz |
|---|---|---|---|
| Benzin | 1203 | D/E | D und E gesperrt |
| Diesel | 1202 | (D/E) | D und E gesperrt (wenn Pflicht) |
| Propan | 1978 | B/D | B und D gesperrt |
| Chlor | 1017 | B(D) | B und D gesperrt |
| Wasserstoff | 1049 | B/D | B und D gesperrt |
| Ammoniak | 1005 | C/D | C und D gesperrt |
| Trockeneis | 1845 | – | Keine Einschränkung |
| Li-Ion-Batterien | 3480 | – | Keine Einschränkung |
Tunnelkategorien in Deutschland
In Deutschland sind viele Autobahntunnel als Kategorie B oder C ausgewiesen – das gilt insbesondere für längere Tunnel in dicht besiedelten Gebieten. Die Beschilderung am Tunnel zeigt die Kategorie an. Für die Routenplanung gilt:
- BAG-Routenplaner und kommerzielle Routingdienste für Gefahrgut berücksichtigen Tunnelkategorien automatisch
- Das ADAC-Gefahrgutportaler und der BAG-Routenplaner sind gute Planungsquellen
- Fahrer müssen die Tunnelkategorie der Route kennen und mit dem Stoffcode abgleichen
Was tun, wenn der Tunnel gesperrt ist?
Wenn der direkte Weg durch einen für den transportierten Stoff gesperrten Tunnel führt:
- Alternativroute ohne entsprechend kategorisierten Tunnel wählen
- Bei langen Tunneln oft Umwege von 30–100 km notwendig
- Planungsaufwand vor der Fahrt – nicht erst am Tunneleingang
- Kombination mehrerer Stoffe mit unterschiedlichen Codes: strengste Anforderung gilt
Häufige Fehler
- Tunnelcode nicht bekannt oder nicht im Beförderungspapier eingetragen
- Route ohne Prüfung der Tunnelkategorien gewählt
- Bei Kombisendungen: Tunnelcode nur für den Hauptstoff geprüft, strengerer Code anderer Stoffe übersehen
Fazit
Tunnelcodes sind keine Empfehlung – sie sind bindend. Wer mit Benzin, Propan oder Chlor durch einen gesperrten Tunnel fährt, begeht einen schwerwiegenden ADR-Verstoß. Die Routenplanung mit einem Gefahrgut-Routingdienst ist der einfachste Weg, Tunnelprobleme zu vermeiden.
Rechtlicher Hinweis: Allgemeine Information. Maßgeblich ist ADR in der gültigen Fassung. Tunnelkategorien können sich ändern – aktuelle Kennzeichnung vor Ort maßgeblich.