Einwegfeuerzeuge – BIC Classic, Clipper, Tokai und ähnliche – sind eines der meistverkauften Massenprodukte weltweit. Befüllt mit Butan oder Isobutan fallen sie unter UN1057, Klasse 2.1. Sie teilen sich dieselbe UN-Nummer mit Nachfüllkartuschen, haben aber als fertige Konsumprodukte mit Zündmechanismus besondere Anforderungen aus Sondervorschrift 242 – insbesondere die EN-13869-Kindersicherung. Für den Großhandelsversand mit Millionen von Feuerzeugen jährlich ist die ADR-Compliance ein tägliches Thema.

Schritt 1: Stoff identifizieren – Feuerzeuge und Nachfüllkartuschen unter einem Eintrag

Produkt UN-Nr. Beschreibung SV 242 anwendbar?
Einwegfeuerzeug (BIC, Clipper, Tokai) UN1057 Befülltes Feuerzeug mit Zündmechanismus, nicht nachfüllbar Ja
Nachfüllbares Gasfeuerzeug (befüllt) UN1057 Befülltes Feuerzeug mit Nachfüllanschluss Ja
Nachfüllkartusche für Feuerzeuge UN1057 Druckbehälter nur mit Gas, ohne Zündmechanismus Ja
Gasherd-Stabanzünder (Piezo + Butanreservoir) UN1057 Feuerzeug im weiteren Sinne Ja
Elektrischer Lichtbogen-Anzünder (kein Gas) Kein Gefahrgut Kein Brenngas enthalten

Schritt 2: Tabelle A – alle Kerndaten auf einen Blick

Parameter Wert
UN-Nummer UN1057
Offizielle Benennung FEUERZEUGE oder NACHFÜLLBEHÄLTER FÜR FEUERZEUGE
Klasse 2
Klassifizierungscode 2F (entzündbar)
Gefahrzettel Hauptgefahr 2.1
Verpackungsgruppe – (Klasse 2 hat keine VG)
Transportkategorie 2
Tunnelcode (D)
Begrenzte Mengen (LQ) 1 kg Gasinhalt je Innenverpackung
Freigestellte Mengen (EQ) E0 – nicht möglich
Verpackungsanweisung P002, LP02
Sondervorschriften 242
Freigrenze nach 1.1.3.6 333 kg Gasinhalt

Schritt 3: Sondervorschrift 242 – EN 13869 als zentrale Produktpflicht

Sondervorschrift 242 enthält für Feuerzeuge (im Unterschied zu bloßen Kartuschen) besonders strenge Produktanforderungen:

Anforderung SV 242 Konkrete Umsetzung für Einwegfeuerzeuge
Kindersicherung Übereinstimmung mit EN 13869 Pflicht – der Zündmechanismus muss für Kinder unter 5 Jahren innerhalb einer definierten Testzeit nicht bedienbar sein
Manipulationsschutz Das Feuerzeug darf sich nicht ohne bewusste Betätigung zünden lassen; keine Möglichkeit, Kindersicherung dauerhaft außer Kraft zu setzen
Gasinhalt je Feuerzeug Max. 15 g Brenngas bei Einwegfeuerzeugen; nachfüllbare Feuerzeuge bis 25 g möglich mit entsprechendem Prüfnachweis
Dichtheit Kein Gasaustritt beim Transport, bei Lagerung und normaler Handhabung
Druckfestigkeit Konstruktive Auslegung auf Betriebsdruck bei 50 °C

Was bedeutet EN 13869 konkret? Diese europäische Norm legt fest, dass Feuerzeuge so konstruiert sein müssen, dass Kinder unter 51 Monaten das Feuerzeug in einem standardisierten Test nicht innerhalb von 5 Minuten zünden können. Feuerzeuge ohne diese Kindersicherung dürfen in der EU nicht in Verkehr gebracht werden (EU-Richtlinie 98/8/EG i.V.m. nationaler Umsetzung) – und damit auch nicht transportiert werden.

Schritt 4: LQ – 1 kg Gasinhalt je Einzelfeuerzeug

Produkt Gasinhalt je Stück LQ möglich?
BIC Classic (Standard-Einwegfeuerzeug) ca. 4–5 g Butan Ja ✓ (weit unter 1 kg)
BIC Mini ca. 2–3 g Butan Ja ✓
Clipper Standard ca. 5–6 g Butan Ja ✓
Gasherd-Stabanzünder ca. 10–15 g Butan Ja ✓
Kein handelsübliches Einwegfeuerzeug > 1.000 g – (existiert nicht)

Jedes einzelne Feuerzeug ist eine Innenverpackung. Da jedes Einwegfeuerzeug weit unter 1 kg Gasinhalt enthält (typisch 4–6 g), ist LQ für alle handelsüblichen Formate problemlos anwendbar – unabhängig davon, wie viele Feuerzeuge in einem Außenkarton sind, solange der Außenkarton max. 30 kg Bruttomasse hat.

Schritt 5: EQ – grundsätzlich nicht möglich (E0)

E0 ist für UN1057 eingetragen – freigestellte Mengen sind nicht möglich. Selbst ein einzelnes Feuerzeug mit 5 g Gasinhalt fällt nicht unter EQ. Dies ist anders als bei vielen anderen Klasse-2-Gütern und muss bekannt sein.

Schritt 6: Freimengenrechnung im Großhandel

Transportkategorie 2 → Freigrenze 333 kg Gasinhalt je Beförderungseinheit. Im Großhandelsversand erreicht man diese Grenze schneller als gedacht:

Sendung Gasinhalt Unter Freigrenze?
10.000 BIC Classic (5 g je Stück) 50 kg Ja ✓ (unter 333 kg)
50.000 BIC Classic 250 kg Ja ✓ (unter 333 kg)
70.000 BIC Classic 350 kg Nein ✗ (über 333 kg) – volle ADR-Pflicht
1 Palette = 100.000 Feuerzeuge 500 kg Nein ✗ – volle ADR-Pflicht

Schritt 7: Lagerung und Hitzerisiko

Einwegfeuerzeuge dürfen nicht Temperaturen über 50 °C ausgesetzt werden. Im Sommer-Lkw oder Transporter kann die Temperatur im Fahrzeug auf 60–80 °C steigen. Praxishinweis für Fahrer:

Schritt 8: Häufige Fehler

Entscheidungsbaum: Was gilt für meinen Transport?

Einwegfeuerzeuge transportieren?
│
├─ Produktkonformität prüfen:
│   ├─ EN-13869-Kindersicherung vorhanden?
│   │   └─ Nein → Transport nach SV 242 unzulässig ✗
│   └─ Gasinhalt je Feuerzeug ≤ 15 g?
│       └─ Nein → Prüfnachweis für bis 25 g erforderlich
│
├─ Gasinhalt je Einzelfeuerzeug ≤ 1 kg?
│   └─ Ja (immer für Einwegfeuerzeuge) → LQ möglich:
│       • LQ-Raute auf Außenkarton
│       • Max. 30 kg Bruttomasse Außenkarton
│       • Kein Beförderungspapier ✓
│
└─ Gesamtgasinhalt der Sendung > 333 kg?
    └─ Volle ADR-Pflicht:
        • Beförderungspapier: UN1057, 2, 2F
        • Gefahrzettel 2.1 auf jedem Versandstück
        • Tunnelcode (D) bei Routenplanung prüfen
        • Schriftliche Weisungen
        • Freigrenze: 333 kg Gasinhalt

Muster-Beförderungspapier (volle ADR-Pflicht, Großhandelslieferung)

UN1057 FEUERZEUGE oder NACHFÜLLBEHÄLTER FÜR FEUERZEUGE, 2, 2F,
350 kg Gasinhalt, 70.000 Stück in 700 Kartons à 100 Stück
Absender: [Name, Straße, PLZ, Ort]
Empfänger: [Name, Straße, PLZ, Ort]
Tunnelbeschränkungscode: (D)

Fazit

Einwegfeuerzeuge sind UN1057, Klasse 2.1 – identische UN-Nummer wie Nachfüllkartuschen, aber mit dem besonderen Fokus auf EN-13869-Kindersicherung. LQ mit 1 kg je Feuerzeug deckt alle handelsüblichen Formate ab. EQ ist ausgeschlossen. Der kritische Punkt für Importeure: EN-13869-Konformitätsdokumentation muss vor dem ersten Transport vorliegen. Im Großhandelsversand kann die Freigrenze von 333 kg Gasinhalt je Beförderungseinheit schneller überschritten werden als erwartet.


Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Fachberatung. Maßgeblich sind ADR 2025 und EN 13869 in der jeweils gültigen Fassung.